Der Apfelsommer im Ries war nicht optimal

Nördlingen - Die frühen und mittleren Apfel-Sorten im Ries litten unter der Hitze, späte Äpfel haben nun Spitzenqualität. Was den regionalen Saft ausmacht.

Die Vielfalt der Apfelsorten sorgt beim Rieser Apfelsaft für die Balance von fruchtiger Süße und leichter Säure. 

Die Mostsaison ist in vollem Gange. Auf dem Hof der Nördlinger Mosterei Binninger herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Äpfel aus dem ganzen Ries werden hier zu süßem Apfelsaft gepresst. Direktsaft – kein mit Wasser wieder aufbereitetes Konzentrat von irgendwo her. Regionale Spitzenqualität aus vielen verschiedenen, teils alten Apfelsorten von Rieser Streuobstwiesen und Gärten, süße und säuerliche. „Diese Mischung macht's“, weiß Karl Altmann, der mit seinen Söhnen Florian und Fabian alljährlich aus rund 2000 Tonnen Äpfeln in einem schonenden Verfahren rund 1,2 bis 1,3 Millionen Liter aromatischen Apfelsaft presst.

Seit diesem Jahr steht auch auf den Flaschen drauf, was drin ist: Rieser Apfelsaft. „Natürlich setzen wir mit unserem neuen Etikett auch auf den verstärkten Wunsch der Verbraucher nach regionalen Produkten“, sagt Karl Altmann. Nur, dass es in seiner Mosterei kein neuer Trend sei, sondern seit Jahrzehnten gängige Praxis. „Wir pressen seit 1998 ausschließlich heimisches Obst“, versichert er, „Regionalität ist uns wichtiger als Bio aus dem Ausland.“ Die Mosterei Binninger kauft nichts zu. Auch nicht in schlechten Apfeljahren wie 2013. „Wir haben immer so viel in unseren Tanks, dass wir so ein Jahr überbrücken können.“

Mit einem Aräometer, das er in einem mit frisch gepresstem Saft gefüllten Glaszylinder schwimmen lässt, misst Florian Altmann die Oechslegrade.

Auch der Sommer 2015 ist für Apfelbäume nicht optimal gelaufen. „Vor der Hitze sah es überall sehr gut aus“, sagt Karl Altmann. Dann fiel im Ries fast zwei Monate kein Regen. Die große Trockenheit sorgte dafür, dass gerade bei frühen und mittleren Apfelsorten viele Äpfel bereits unreif vom Baum fielen. „Hier fehlt uns etwa ein Drittel der sonst üblichen Menge.“ Doch der Supersommer hatte auch eine andere Seite. „Jetzt kommen ganz tolle, reife Äpfel, echte Spitzenqualität“, gerät Altmann ins Schwärmen. Schon bei der Erstpressung am 25. August habe der Saft 52˚ Oechsle gehabt. „Das hatten wir letztes Jahr den ganzen Herbst nicht“, sagt er und ist überzeugt, dass die Qualität in den nächsten Wochen sogar noch besser wird.

Zu den vielen Privatleuten, die ihre Äpfel in Mosterei bringen, gehört auch Manfred Sperrle aus Nördlingen. „Wir haben ein paar Obstbäume hinterm Haus, darunter auch alte Apfelsorten.“ Aus einem Teil mache seine Frau Apfelmus, ein Teil werde an Freunde und Familie verschenkt, und das Fallobst abgeliefert. Dafür gibt's eine Gutschrift aufs Saftkonto. „Das können wir dann das Jahr über wieder abbauen“, sagt Sperrle. Doch nicht nur den ausgezeichneten Apfelsaft erhalten Kontingentbesitzer dann um fast die Hälfte, sie erhalten Rabatte auf das gesamte Saft- und Nektarsortiment mit über 40 Sorten. „Doch am meisten spart man beim Apfelsaft“, sagt Karl Altmann, der Besitzer der Mosterei. Pro Doppelzentner Äpfel werden 60 Liter auf dem Saftkonto gutgeschrieben. Dies entspricht beim Kauf von 60 Litern Apfelsaft einer Ersparnis von über 30 Euro pro Doppelzentner. Wer sich die Äpfel lieber sofort bezahlen lässt, der bekommt für den Doppelzentner acht Euro.

Entscheidend für Kunden wie Manfred Sperle ist jedoch nicht das Geld, mit dem das mühsame Aufklauben und Schleppen belohnt wird. Viel wichtiger ist der Respekt vor dem Lebensmittel, aus dem etwas Gutes gemacht wird. Umso mehr ärgert er sich, dass unter vielen Obstbäumen am Straßenrand die Äpfel und Birnen einfach verrotten. Karl Altmann pflichtet ihm bei, das Problem, dass die reifen Äpfel auch bis zu ihm in die Presse kommen, werde immer größer. Wie gut, dass er solche Stammkunden hat, wie Sofie Volk aus Lierheim. „Ich bin schon als sechzehnjährige mit dem Bulldog zum Binninger gefahren und habe unsere Äpfel gebracht. Damals war die Mosterei noch in der Polizeigasse“, sagt die 72-Jährige. Und noch einen Tipp hat sie, was man neben Apfelsaft aus den alten Apfelsorten wie dem „Stroiml“ hervorragend machen kann: Rieser Bauerntorte, und zwar zuhause im heimischen Backofen.

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Rieser Nachrichten vom 23.09.2015, von Gabriele Neumeyer

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