"Ma ko se doch net liega lossa"

Nördlingen - Im Gegensatz zu 2013 ist heuer eine gute Apfelernte zu verzeichnen. Viele kleine Lieferanten garantieren Qualität.

Sie setzen ganz auf Regionalität und Qualität, (von links) Fabian, Florian und Karl Altmann von der Mosterei Binninger.

„Nein“, sagt Karl Altmann von der Mosterei und Getränkemarkt Binninger in Nördlingen, im Ries könne dieses Jahr von einer Apfelschwemme, wie sie derzeit durch die bundesdeutschen Medien geistere, nicht die Rede sein. „Wir rechnen zwar mit drei Mal so viel Äpfeln wie 2013, aber vergangenes Jahr war es ja auch ganz schlecht. 2014 wird ein ganz normales Apfeljahr. An die sehr gute Ernte von 2012 kommen wir aber nicht heran“, rückt er die Verhältnisse im Gespräch mit den Rieser Nachrichten zurecht.

Neben dem Wetter gibt es dafür noch einen weiteren, entscheidenden Grund. Die Regionalität. In der Nördlinger Mosterei wird nur gepresst, was die Obstgartenbesitzer aus dem Ries und dem benachbarten Franken anliefern. „Wir kaufen nichts zu“, versichert Altmann, „wo Binninger drauf steht, sind wirklich nur Äpfel aus der Region drin.

Statt von großen Obstplantagen kommen die Äpfel für die Mosterei Binninger von tausenden von Privatleuten in die Presse. „Apfelernte, das ist für unsere Kunden nur ein Zubrot, da setzt niemand Spritzmittel ein“, weiß Altmann.

Damit unterscheide sich sein Betrieb deutlich von den Großen der Branche, weiß der Insider. So berichtet er von einem Kollegen, der Äpfel aus Polen zugekauft habe. Dort wüssten die Obstbauern nach dem russischen Einfuhrstopp nicht wohin mit der Ernte, erklärt Altmann. „Der Preis war günstig, aber die Qualität sehr schlecht. Er hat frische Ernte bestellt, aber man hat im 60 Prozent Lagerobst untergejubelt.“ Doch aus diesen Lageräpfeln ließe sich nicht nur weniger Saft pressen, „er schmeckt auch noch lätschig“, urteilt der Fachmann.

Zahlreiche Gärten mit alten Sorten

Das kann bei seinem hundertprozentigen Direktsaft nicht passieren. Denn zum Glück gibt es im Ries noch zahlreiche Obstgärten mit alten Apfelsorten. Die Mischung der verschiedenen Sorten macht den regionalen Apfelsaft so aromatisch. Für eine stets hohe Qualität und den gewohnt guten Geschmack sorgt die Familie Altmann in ihrer Mosterei. „Im Ries wachsen vorwiegend frühe und mittlere Apfelsorten“, sagt Altmann. Die frühen hätten noch etwas niedrigere Oechslegrade, in diesem Jahr so um 48, die mittleren Sorten erreichten inzwischen Öchslegrade von über 50. „In unseren großen Tanks verschneiden wir nun den gepressten Saft und erhalten so eine durchgehend sehr hohe Qualität“, erklärt der Moster. Was die Qualität der Äpfel angehe, so erreiche man im Ries dieses Jahr sogar höhere Oechslegrade als am Bodensee, fügt er stolz hinzu.

Den Apfellieferanten werden für 100 Kilogramm Äpfel 60 Liter auf ihrem „Saftkonto“ gutgeschrieben oder fünf Euro ausbezahlt, und für die gute Qualität des Spätobstes ab sofort sogar sieben Euro. „Doch die meisten Kunden entscheiden sich für das Saftkonto. Das war bei einigen nach dem schlechten Jahr 2013 auch schon ziemlich leer“, berichtet Karl Altmann.

Für das mühsame Klauben, Her karren und Schleppen gibt es nämlich einen „saftigen“ Rabatt beim Apfelsaftkauf. Obstguthabenbesitzer zahlen pro Liter nur 69 Cent, andere Kunden 1,25 Euro. „Guthabenbesitzer können aus allen unseren 41 Saftsorten wählen, aber am meisten sparen sie beim Apfelsaft“, rechnet er vor – pro Doppelzentner Äpfel immerhin 33 Euro.

Doch Geld allein ist es nicht, was Menschen wie Max Weiß aus Enslingen oder Josefine Kloning und Nicki-Andrea Näther aus Breitenlohr jährlich im Herbst zur Apfelernte bewegt. Es ist auch ganz viel Respekt vor der Natur und dem Lebensmittel dabei, gepaart mit einer großen Portion Idealismus. „Freile krigsch net viel für dia Äpfl“, sagt Josefine Kloning, „aber ma ko se doch net liega lossa!“

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Rieser Nachrichten vom 11.10.2014, von Gabriele Neumeyer

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