Gute Säfte aus heimischen Äpfeln

Nördlingen - Bei der Mosterei Binninger werden die Äpfel aus der Region geschätzt und schonend verarbeitet. Noch liefern viele Rieser das Obst aus ihrem Garten. Doch es wird weniger.

Bei der Mosterei Binninger in Nördlingen ist Hochsaison. Wer Äpfel aus seinem eigenen Garten anliefert, geht zuerst an die Waage (Bild oben). „96 Kilo“ schreibt Karl Altmann (rechts) in diesem Fall Franz Schwarz aus Dirgenheim gut.

Die Mostsaison 2011 ist in vollem Gange. Seit dem 22. August und noch bis Mitte November werden täglich mehrere Tonnen Äpfel von den Streuobstwiesen der ganzen Region nach Nördlingen in die Mosterei Binninger gekarrt. Karl Altmann, der Inhaber der Mosterei, rechnet mit einer „knapp mittleren Ernte“. Das bedeutet in Zahlen an die 1800 Tonnen angelieferte Äpfel, aus denen in einem schonenden Verfahren etwa 1,1 bis 1,2 Millionen Liter Apfelsaft gepresst werden.

Acht Euro zahlt Altmann zurzeit für 100 Kilogramm Äpfel. Das scheint zunächst nicht viel. „Doch soviel bekommen die Bauern gerade auch für den Doppelzentner Kartoffeln“, weiß Altmann, „und Kartoffeln machten viel mehr Arbeit.“

Obstgarten vom Opa

Nicht dass die Apfelernte keine Arbeit wäre. „Das ist schon ein Mordsgeschäft, aber der Obstgarten ist noch von meinem Opa, und wir können die Äpfel doch nicht verkommen lassen“, sagt Johannes Nagler aus Birkhausen. Der junge Mann hat noch schnell kurz vor Feierabend zehn Zentner Äpfel in Säcken in die Mosterei gefahren.

So wie er denken nicht mehr allzu viele junge Leute, berichtet Ilaz Prekadini, der seit 17 Jahren in der Mosterei arbeitet. „Es sind überwiegend ältere Leute, die ihr Obst bringen. Junge Leute haben vielleicht keine Zeit oder es ist für sie uninteressant“, sagt er.

Auch Karl Altmann sieht ein Problem darin, dass die Äpfel auch den Weg in die Mosterei finden. „Wenn man in diesen Tagen mit dem Auto unterwegs ist, fällt ja jedem auf, dass an den Bäumen viele Äpfel hängen. Anders als früher werden viele Äpfel nicht mehr aufgelesen und verarbeitet, man lässt sie liegen und verrotten“, bedauert er. Wenn man das ganze Jahr knackige Äpfel im Supermarkt bekomme und Apfelsaft aus Konzentrat für ein paar Cent, verliere die heimische Apfelernte an Bedeutung und Wertschätzung. „Dabei schmeckt unser Apfelsaft deswegen so gut, weil er eine tolle Mischung ist aus den verschiedenen, teils sehr alten Apfelsorten, die es auf den Rieser Streuobstwiesen halt noch gibt“, betont Altmann.

Die Früchte werden mit Schwung ausgeladen (Bild oben).

Vom Hagel verschont – die Bäume hängen voll

Regelmäßig klaubt Franz Schwarz aus Dirgenheim seine Äpfel zusammen und fährt sie nach Nördlingen. „Wir sind von dem schweren Hagel verschont geblieben, unsere Bäume hängen voll“, berichtet er. So voll, dass er gleich im August die ersten Äpfel gebrockt hat, damit die Äste unter dem Gewicht nicht abbrechen. Die Äpfel, die er anliefert, sehen aus wie gemalt: Boskop und andere Sorten – „Handelsklasse I“ – kaum eine Druckstelle. „Gute Äpfel geben halt auch einen guten Saft“, meint er und zeigt stolz die lange Liste seiner Saftgutschriften.

Josef Schweier aus Marktoffingen hat keinen eigenen Obstgarten, seine Äpfel stammen von gemeindeeigenen Bäumen – der Rentner hat sie „gesteigert“. „Ich hab Zeit, ich brauch’ Arbeit“, erzählt er. Doch auch bei diesen Versteigerungen gebe es mit den Jahren immer weniger Mitbieter.

Weil es immer weniger Streuobstwiesen gibt und Äpfel, die gepresst werden sollen, haben in den vergangenen Jahren viele kleinere Mostereien ihren Betrieb eingestellt. Mostereien in der Größenordnung seines Betriebes seien recht selten, sagt Altmann.

Neben dem Hauptsitz in Nördlingen, in dem auch die beiden jüngeren Söhne Florian und Fabian mitarbeiten, unterhält die Mosterei Außenstellen in der Region. „Unser Einzugsgebiet reicht von Augsburg nach Nürnberg hoch und hinüber nach Württemberg.“

Florian und Fabian Altmann helfen bei der Arbeit im Familienbetrieb. In dieser Saison werden rund 1800 Tonnen Äpfel zu aromatischem Saft verarbeitet.

Rieser Nachrichten vom 10.09.2011, von Gabriele Neumeyer

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